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Wer
sie sind |
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| Man
kann die TUAREG eigentlich nicht als einheitliche Ethnie bezeichnen, denn
sie unter- scheiden sich nicht nur stark in ihrem Äusseren, sondern sie haben auch je nach Herkunfts- gebiet verschiedene Verhaltens- und Moralvorstellungen. Ihren Namen bekamen sie von ihren arabischen Nachbarn; er bedeutet soviel wie „die von Gott Verlassenen“. Sie selber benützen ihn in ihrer Sprache Tamaschek nicht. Sie bezeichnen sich schlicht als „kel tugulmust“ - die Menschen, die den Schleier tragen oder als „kel tamaschek“ - die Menschen, die Tamaschek sprechen. |
| Das Volk der TUAREG gliedert sich von alters her in mehrere Konföderationen, die wiederum aus unterschiedlich vielen Stämmen bestehen. Diese gehören verschiedenen Ständen der gesellschaftlichen Hierarchie an. Die Tuareg-Gesellschaft zeigt eine strenge hierarchische Schichtung, ähnlich dem indischen Kastenwesen: Adelige (Imajeghan), Schriftgelehrte (Ineselemen / Marabuts), verschiedene Vasallengruppen wie z.B. Ziegenhirten (Imrad), Oasenbauern (Iseggaren) und Diener (Iklan). Ausserhalb der Hierarchie stehen die Schmiede (Enaden), verachtet und gefürchtet zugleich. Vom Haushaltsgerät über Schmuck bis zu Waffen und Zaumzeug stellen sie alles her, was in der TUAREG-Gesellschaft an Dingen benötigt wird. Den Schmieden werden auch besondere magische Kräfte nachgesagt, weshalb sie gefürchtet sind. Ihre Frauen sind geschickte Lederhandwerkerinnen, die das Leder zu den im Nomadenhaushalt benötigten Matten, Beuteln und Taschen verarbeiten. |
| Früher lebte man innerhalb seiner sozialen Schicht streng von den anderen getrennt, doch waren die einzelnen Schichten durch Dienstleistungen und gegenseitige Abhängigkeiten aufeinander angewiesen. Die Schichtzugehörigkeit wird über die Mutter weitergegeben, ebenso richtet sich die Stellung des Mannes nach derjenigen seiner Frau. Heute vermischen sich die Schichten zunehmend und Heiraten ausserhalb der eigenen Schicht ist möglich. Es gibt nicht mehr sehr viele hellhäutige TUAREG, die von den ehemaligen „Adeligen“ abstammen. Vor allem in den südlichen Gebieten haben sich ehemalige Herren mit den dunkelhäutigen Dienern vermischt. |
| Die Stellung der Frauen |
Zwar
sind die TUAREG Muslime, doch sind sie immer noch sehr stark in ihrer eigenen
Kultur und Tradition verwurzelt. Im Gegensatz zu anderen muslimischen Gesellschaften
besitzt die TARGIA (Name für die Tuaregfrau) keineswegs wenige Rechte
und sie ist auch nicht verschleiert. Auch der in weiten Teilen Afrikas verbreitete
grausame Brauch, die Frauen genital zu verstümmeln, fand nie Einzug
in die Tuaregkultur. Die Frau muss bei der Heirat nicht Jungfrau sein. Sie
darf schon früh einen Freund haben und sie darf in der Regel auch selber
bestimmen, wen und wann sie heiratet (vorausgesetzt, ihr Auserwählter
kann den Brautpreis bezahlen...). Ein Tuareg, der seine Frau schlägt,
wird von der Tuareg - Gsellschaft verachtet. |
| Tuaregs
haben in der Regel nur eine Frau, unter dem islamischen Einfluss ist in
neuster Zeit aber eine gewisse Tendenz zur Polygamie festzustellen. Scheidungen
sind ebenfalls nichts besonderes und können auch von der Frau ausgesprochen
werden. Beide Partner haben dann das Recht, eine neue Verbindung einzugehen.
Die TARGIA ist Besitzerin des Zeltes sowie von allem, was sich darin an Einrichtungsgegen- ständen befindet. Sie verwaltet den Besitz und bestimmt die Verteilung der Nahrungsmittel. Auch in der Erziehung der Kinder und der Weitergabe der Tuaregkultur kommt ihr grosse Bedeutung zu. Die Männer widmen sich der Viehzucht und dem Karawanenhandel und sind oft monatelang von ihren Familien getrennt. Wenn man in die Sahara reist ist es deshalb nichts ungewöhnliches, von einer TARGIA in ihr Zelt eingeladen zu werden. Sie benötigt dazu nicht die Erlaubnis des Ehemannes. |
| Unter der fortlaufenden Islamisierung wird die TARGIA heute leider sukzessive in ihren Rechten beschnitten. Vor allem dort, wo die Leute auf Arbeitssuche in die Städte abwandern und die Frauen ihren Familien und ihren traditionellen Lebensstrukturen entrissen werden und plötzlich ganz auf sich alleine gestellt sind. |
| Wie sie leben |
Die
typische Behausung der TUAREG-Nomaden ist das ca. 1.50m hohe Zelt, hergestellt
aus Ziegenleder und/oder geflochtenen Matten aus Blättern der Dumpalme.
Das Zelt bleibt zeitlebens Eigentum der Frau. Sie stellt es her, baut es
auf und ab und transportiert es mit Eseln.Die meisten Tuareg im Niger sind Viehzüchter und Nomaden, die mit ihren Ziegen, Schafen und Kamelen ständig unterwegs sind auf der Suche nach geeigneten Weideplätzen. Dabei bewegen sie sich aber meistens nur innerhalb eines bestimmten Perimeters um die Brunnen bzw. Wasserstellen herum. Kein Nomade reist ohne Grund und nur um des Reisens Willen! |
| In den grossen Dürreperioden, welche in den 70er- und 80er-Jahren die Sahelzone heimsuchten, sind zahlreiche Viehherden vernichtet worden. Die Nomaden konnten froh sein, wenn sie mit dem eigenen Leben davongekommen sind. Viele der ehemals stolzen Herdenbesitzer sind heute verarmt und leben am Rande des Nichts. Das was sie haben reicht knapp zum Überleben. |
| Die Grundnahrung der Nomaden besteht aus Hirse oder Reis und Ziegenmilch. Besonders geschätzt wird Kamelmilch, der auch eine gewisse Wirkung als Heilmittel nachgesagt wird. Bei festlichen Anlässen wie Hochzeiten, Taufen etc. wird ein Schaf oder eine Ziege geschlachtet. In den letzten Jahren haben einige Tuareg auch damit begonnen, Gemüse und Früchte zu essen. Im regenreichen Air-Gebirge werden in Oasengärten zahlreiche Gemüse und Obstsorten angepflanzt. |