Wir freuen uns, mit dem vorliegenden Bericht einen Überblick über unsere Tätigkeiten im Jahr 2023 zu geben. Wir sind auch nach 19 Jahren mit viel Freude und grossem Engagement für unsere Projekte engagiert!
Seit dem Militärputsch Ende Juli ist im Niger nichts mehr so, wie es war. Die ECOWAS-Staaten haben den Putsch verurteilt und Sanktionen beschlossen. Seither sind die Grenzen zu den Nachbarländern offiziell geschlossen und der Handel dadurch stark eingeschränkt. Auch die UNO-Staaten haben sich den Sanktionen angeschlossen, viele Gelder der europäischen Entwicklungszusammenarbeit fliessen seither nicht mehr.
In den letzten 10 Jahren war Niger einer der stärksten Verbündeten des Westens in der Sahelregion im Kampf gegen die sich ausbreitenden Islamisten. Französisches, deutsches und amerikanisches Militär war permanent in Niger stationiert und haben das Land im Kampf gegen das Vordringen der Islamisten aus den Nachbarländern unterstützt. Auch die EU und die Schweiz hatten enge diplomatische Beziehungen zur nigrischen Regierung gepflegt im Kampf gegen die Migrantenströme aus Schwarzafrika zur Mittelmeerküste. Doch seit den Wirtschaftssanktionen der ECOWAS und der EU sind die diplomatischen Beziehungen schwieriger geworden. Ende 2023 hat die selbsternannte Militärregierung zwei zentrale Abkommen mit der EU gekündigt und die Zusammenarbeit im Rahmen der zivilen Beratungsmission (EUCAP) und der militärischen Ausbildungsmission (EUMPM) für beendet erklärt. Die Soldaten und das diplomatische Corps der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich mussten das Land Ende 2023 verlassen. Deutschland und die Amerikaner sind vorläufig noch im Land verblieben und versuchen das Territorium inmitten der zunehmend von Islamistengruppen unterwanderten Sahelregion zu halten. Deutschlands Verteidigungsminister hat bei einem Staatsbesuch Anfang Januar offiziell sein Interesse deklariert, den militärischen Stützpunkt in der Hauptstadt Niamey zu halten. Deutschland und die USA möchten mit den neuen Machthabern in Niamey auf jeden Fall im Gespräch bleiben, nicht zuletzt deshalb, um das letzte vom Westen dominierte Terrain in der Sahelregion nicht ganz den Chinesen und Russen zu überlassen. Denn beide Grossmächte buhlen darum, den Platz der europäischen Partner einzunehmen. Während China bereits seit 10 Jahren in Infrastrukturprojekte in Niger investiert, versucht Russland seit Beginn des Ukrainekriegs seine Beziehungen zu Afrika auszubauen. Offiziell gilt Russland bereits in Nigers Nachbarn Mali und Burkina Faso als enger Verbündeter. In beiden Staaten ist das Militär seit einem Putsch vor wenigen Jahren an der Macht. Russland verspricht seinen afrikanischen Partnern in der Sahelregion zwar militärische Unterstützung gegen die Islamisten, im Hintergrund spielen aber v.a. wirtschaftliche Interessen an den Bodenschätzen eine wichtige Rolle (seltene Erden, Öl, Uran für die Atomenergie, Gold etc.).
Inzwischen ist auch in Niger selbst nichts mehr so wie es war. Die Militärregierung hat fast alle demokratisch gewählten Funktionsträger ausgetauscht. Die Städte und Dörfer werden nun von den Militärs regiert und kontrolliert. Die Wirtschaft leidet unter dem Embargo, die Preise für Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs haben sich verdoppelt und der nigrischen Bevölkerung geht es sehr schlecht. Glücklich können sich diejenigen schätzen, die einen Job haben und deren Lohn regelmässig bezahlt wird. Der grossen Mehrheit aber bleibt nichts anderes übrig, als sich mit den neuen Machthabern zu arrangieren – und auf bessere Zeiten zu hoffen…
Unsere Projekte im Landesinneren, über 1‘000 km vom Machtzentrum Niamey entfernt, laufen seit September zum Glück beinahe wieder wie gewohnt weiter. Unsere Arbeit wird von den neuen Verantwortlichen bis dato nicht behindert. Nach anfänglichen Schwierigkeiten (Bankenembargo) können wir auch das Geld für die Projekte wieder in den Niger schicken. Mit unseren Leuten vor Ort stehe ich in regelmässigem telefonischen Kontakt. Fast häufiger als früher, weil es wichtig ist sie spüren zu lassen, dass wir sie nicht vergessen. Zum Glück hat sich die Kommunikation und der Bilderaustausch dank Handyempfang und Internet in den letzten Jahren deutlich verbessert. Auch wenn es wohl noch einige Jahre nicht möglich sein wird selber in den Niger zu reisen, haben wir im Vorstand beschlossen, unsere Projekte im gewohnten Umfang weiterzuführen. Damit geben wir denjenigen Menschen Hoffnung, die es in dieser schwierigen Situation am dringendsten brauchen. Wie sich die Lage geopolitisch weiterentwickeln wird bleibt ungewiss. Hoffen wir, dass es weiterhin ruhig bleibt und die Sahelregion vor einem Krieg zwischen Amerika und Russland sowie zwischen Islamisten und christlichem Westen verschont bleibt! Ein Krieg, in dem es mehr um geopolitische und wirtschaftliche Interessen gehen und der auf dem Buckel einer unschuldigen Bevölkerung ausgetragen würde.
” Wir können Orte schaffen helfen, von denen der helle Schein
der Hoffnung in die Dunkelheit der Erde fällt.”
(Friedrich von Bodelschwing)
Vorstand und Revisionsstelle
Die Zusammenkünfte im Vorstand erfolgten spontan und in Abhängigkeit von konkret anfallenden Fragen. Vorstand und Revisionsstelle setzten sich im vergangenen Jahr aus folgenden Personen zusammen:
- Patricia Wenk, Ramendingen 346, 8737 Gommiswald / Präsidentin (seit 2005)
- Roland Wenk, Sonnenblickstrasse 22, 8645 Jona / Kassier (seit 2005)
- Christine Hauer, Kempfhofweg 14, 8049 Zürich / Beisitzerin (seit 2009)
- Isabella Paniz, Ackerstrasse 1, 8704 Herrliberg / Revisiorin(seit 2010)
Finanzen
Im vergangenen Jahr wurden wir zwar von unseren rund 180 Spender/-innen wiederum grosszügig unterstützt. Insgesamt gingen jedoch Fr. 11‘400 weniger Spendengelder ein, da zwei ausserordentliche Spenden vom letzten Jahr in diesem Jahr weggefallen sind. Die Mitglieder- und Gönnerbeiträge sind Fr. 250 höher ausgefallen als im Jahr davor. Durch die massive Verteuerung von Baumaterialien, Diesel und Medikamenten nach dem Putsch im Juli, sind die Kosten für die Projekte je-doch deutlich gestiegen und wir mussten Rückstellungen von Fr. 12‘000 auflösen, um eine ausgeglichene Jahresrechnung präsentieren zu können. Etwas gemildert wurde die Preissteigerung durch die Schwäche des Euros, welcher fix an die Lan-deswährung fcfa gekoppelt ist.
Erfolgsrechnung 2023 im Vergleich (Details dazu siehe letzte Seite):
| 2023 | 2022 | 2021 | ||
| Total Ertrag | Fr. | 53’605.47 | 64’852.61 | 62’540.85 |
| Total Aufwand | Fr. | -63‘906.56 | -50‘790.30 | -58‘833.86 |
| Bildung / Auflösung von Rückstellungen | Fr. | 12‘000.00 | -12‘000.00 | -3‘000.00 |
| Gewinn per 31.12. | Fr. | 1‘698.91 | 2‘062.31 | 706.99 |
Mitglieder
Der Mitgliederbestand per 31.12.2021 betrug Ende 2023 insgesamt 75 Mitglieder und Gönner (- 3).
Realisierte Projekte 2023
Obwohl mein Besuch der Projekte vor Ort ein weiteres Mal ausfallen musste, stand ich per Internet, WhatsApp und Telefon im regen Kontakt mit unseren Verantwortlichen vor Ort. Vor allem seit dem Putsch, ist der regelmässige Austausch und Kontakt noch wichtiger geworden. Durch Fotos werde ich über den Stand der Projekte informiert. Aufgrund dessen, was ich gelesen, gehört und gesehen habe, bin ich sehr zufrieden. Unsere Leute vor Ort leisten nach wie vor sehr gute Arbeit und sind ihrerseits sehr bemüht, immer wieder gute und tragfähige Lösungen zu finden. Wir danken an dieser Stelle unseren motivierten Mitarbeitern vor Ort, die unser Vertrauen wirklich verdienen!
Brunnensanierungen (CHF 19’170)


Brunnen: TCHIN-FAGAGAN
Bauzeit: Jan 2023
Kosten: 4‘100 CHF
(2‘570‘000 F CFA)


Brunnen: EKNAWENE
Bauzeit: April – Mai 2023
Kosten: 4‘900 CHF
(3‘080‘000 F CFA)


Brunnen: AGHALILI
Bauzeit: Sept – Okt 2023
Kosten: 4‘600 CHF
(3‘090‘000 F CFA)


Brunnen: TAJABENE
Bauzeit: Nov – Dez 2023
Kosten: 5‘600 CHF
(3‘730‘000 F CFA)
Grundschule TOUMBALAGA (CHF 3’650)

Auch 2023 unterstützten wir die Grundschule von TOUMBALAGA mit Nahrungsmitteln für 2 warme Mahlzeiten pro Tag. Ebenfalls übernahmen wir die Kosten für das Schulmaterial der rund 45 Kinder. Das Lehrerehepaar erhält grosse Unterstützung durch den Dorfchef, dem seine Schule sehr wichtig ist.
Wir haben unsere Unterstützung im bisherigen Rahmen auch für das Schuljahr 2023/2024 zugesagt. Wir wollen aber weiterhin nicht mehr Verantwortung für die Schule übernehmen.
Frauenprojekte (CHF 160)


Frauenprojekte ADERBISSINAT und TCHIN AGAROUF PEUL
Die 10 Tuareg-Frauen in Aderbissinat produzierten das ganze Jahr über Matten für den Verkauf auf dem lokalen Markt.
Die Peul-Frauen in Tchin-Agarouf Peul produzieren ebenfalls Bastmatten und Haushaltsgegenstände und betreiben eine kleine Boutique mit Lebensmitteln des täglichen Bedarfs für die umliegenden Nomaden. Der Verkauf lief bei allen 3 Kooperativen im 2023 leider noch schlechter als im 2022 (Covid), weil die Menschen seit dem Putsch noch ärmer geworden sind und ihr Geld hauptsächlich für Nahrungsmittel ausgeben. Deren Preise haben sich seit dem Sommer 2023 ungefähr verdoppelt: Kosteten 25kg Reis im letzten Jahr noch rund Fr. 35, sind es heute bereits Fr. 60. Bereits im Herbst 2023 wurde vor einer sich ausbreitenden Hungersnot gewarnt. Wir haben „unseren“ drei Frauen-Gruppen im Dezember daher je 2 Säcke Reis gespendet, um ihnen unserer Verbundenheit zu zeigen.
Mobiles Ambulatorium (CHF 17’150)

Auch 2023 waren wir im Mrz/April, im Juni/Juli und im Nov/Dez unterwegs „en brousse“ und haben die Nomaden medizinisch versorgt. Wir sind immer noch das einzige, so geartete Gesundheitsprojekt in der Region, und es kommen vermehrt auch Nomaden aus weiter weg gelegenen Campements an unsere Standorte. Aus diesem Grund haben wir im 2023 unseren Radius auf drei neue Lagerplätze ausgedehnt und die Dauer unserer Eins-ätze von 4 auf 5 Wochen erhöht. Neben den gestiegenen Medikamentenpreise ist dies der Hauptgrund für die gegenüber 2022 gestiegenen Kosten.
Darmfistel-Operationen (CHF 16’730)

Dank dem seit 2017 eingerichteten Spendenkonto für Fistel-Operationen konnten wir auch im Jahr 2023 insgesamt 16 Frauen in Agadez operieren lassen. Die Qualen dieser im Innern verletzten, jungen Frauen „en brousse“, ohne jegliche gesundheitliche Versorgung, sind für uns unvorstellbar.
Durch die von uns ermöglichte Operation schenken wir diesen Frauen ein neues, würdevolles Leben – ihre Dankbarkeit ist enorm gross. Die Zusammenarbeit zwischen Kamma und dem nigrischen Gynäkologen hat sich inzwischen gut etabliert.
Dank
All unseren Spender/-innen und Gönner/-innen danken wir an dieser Stelle ganz herzlich. Ohne sie wäre unser Engagement zugunsten der Menschen in Niger nicht möglich!
Jona, 16. März 2024
Patricia Wenk, Präsidentin