Wir freuen uns, mit dem vorliegenden Bericht einen Überblick über unsere Tätigkeiten im Jahr 2024 zu geben.
Seit 20 Jahren sind wir mit viel Freude für unsere Projekte engagiert. TADERASS feiert dieses Jahr also das 20-Jahre-Jubiläum (Gründungsdatum des Vereins am 5. Juli 2005) und wir dürfen auf bewegte 20 Jahre zurückblicken. Allen Schwie-rigkeiten zum Trotz, die in den letzten Jahren immer mal wieder aufgetaucht sind, sind wir dran geblieben und wir haben unsere Projekte unbeirrlich weiter geführt. Weder der Putsch von 2010 und die darauf folgende, unsichere Lage von 2010 bis 2014, der Zusammenbruch Libyens 2011 und die seit 2012 erstarkenden Islamisten in den Nachbarländern Mali / Bur-kina Faso / Nigeria, die Corona-Epidemie 2020 bis 2022, noch der Militärputsch im Juli 2023 konnte unseren Durchhaltewil-len brechen. So soll es auch weiterhin bleiben – Inchallah! Die Zeichen der geopolitischen Entwicklungen in der Sahelregion sind im Moment zwar alles andere als rosig und sie verlangen uns einiges an „Gottvertrauen“ ab. Doch das Wissen, dass die einfachen Leute vor Ort nichts für die aktuelle Situation können und ihre Situation ohne unsere Arbeit nur noch schlim-mer würde, nährt unsere Motivation, weiter zu machen. Auch wenn es wohl noch einige Jahre nicht möglich sein wird, wieder selber in den Niger zu reisen. Die Welt (nicht nur die Sahelregion) scheint gerade ziemlich in Schieflage geraten zu sein, doch wir vertrauen darauf, dass das Pendel irgendwann wieder in die andere Richtung ausschlagen wird und Frieden & Menschlichkeit wieder die Oberhand gewinnen werden. Dazu möchten wir mit unserer Arbeit einen kleinen Beitrag leisten.
” Was du auf dem Feld deines Lebens anbaust,
ist wichtiger als die Größe des Feldes.”
(Tschad)
Seit dem Militärputsch im Niger vom Juli 2023 hat sich für die Menschen im Niger das Alltagsleben wieder eingependelt. Die Wirtschaft innerhalb Nigers leidet jedoch enorm, weil die Handelsbeziehungen mit den afrikanischen ECOWAS-Staaten und auch Europa stark zurückgegangen sind. Die Preise für Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs haben sich verdreifacht. In den staatlichen Schulen fällt der Unterricht wegen Lehrerstreiks regelmässig aus, weil die Löhne von der Regierung nicht bezahlt werden. Vor allem der Bevölkerung in den städtischen Siedlungen geht es schlecht und es gibt kaum mehr Verdienstmöglichkeiten. Als Folge davon hat die Kleinkriminalität im ganzen Land stark zugenommen. Verschärft wird die Situation durch die wieder zahlreich und unkontrolliert ins Land strömenden Migranten aus dem südlichen Afrika.
Glücklich können sich diejenigen schätzen, die einen Job haben und deren Lohn regelmässig bezahlt wird. Dazu gehören auch die Mitarbeiter von TADERASS. Der grossen Mehrheit aber bleibt nichts anderes übrig, als sich mit der Situation zu arrangieren und auf bessere Zeiten zu hoffen. Denn die humanitäre Unterstützung von Frankreich, Deutschland und den USA wurde 2024 eingestellt. Und unter der Auflösung von USAID leiden nun auch Hilfswerke wie z.B. das HEKS, welches nach wie vor noch im Süden und Süd-Westen Nigers tätig ist.
Wie sich die Lage in der Sahelzone geopolitisch weiterentwickeln wird bleibt ungewiss. Die Militärregierungen von Niger, Mali und Burkina Faso haben sich von den Westafrikanischen Staaten (ECOWAS), von Europa (Frankreich, Deutschland) und den USA abgewandt und sich Russland angenähert. Die Anzeichen für ein Ausbreiten der Islamisten aus Mali, Burkina Faso und Nigeria mehren sich. Auch der Nachbarstaat Tschad wackelt, im Januar 2025 konnte ein Militärputsch nur knapp verhindert werden.
Unsere Projekte im Landesinneren, über 1‘000 km vom Machtzentrum Niamey entfernt, laufen zum Glück beinahe wie gewohnt weiter. Unsere Arbeit wird von den Militärs bis dato nicht behindert. Mit unseren Leuten vor Ort stehe ich in re-gelmässigem Kontakt via Telefon und WhatsApp. Fast häufiger als früher, weil es wichtig ist sie spüren zu lassen, dass wir sie nicht vergessen. Mit unseren Projekten geben wir denjenigen Menschen Hoffnung, die es in dieser schwierigen Situati-on am dringendsten brauchen!
Vorstand und Revisionsstelle
Die Zusammenkünfte im Vorstand erfolgten spontan und in Abhängigkeit von konkret anfallenden Fragen. Vorstand und Revisionsstelle setzten sich im vergangenen Jahr aus folgenden Personen zusammen:
- Patricia Wenk, Ramendingen 346, 8737 Gommiswald / Präsidentin (seit 2005)
- Roland Wenk, Sonnenblickstrasse 22, 8645 Jona / Kassier (seit 2005)
- Christine Hauer, Kempfhofweg 14, 8049 Zürich / Beisitzerin (seit 2009)
- Isabella Paniz, Ackerstrasse 1, 8704 Herrliberg / Revisiorin(seit 2010)
Finanzen
Im vergangenen Jahr wurden wir von unseren rund 150 Spender/-innen wiederum grosszügig unterstützt. Insgesamt gingen jedoch Fr. 6‘200 weniger Spendengelder ein. Dies ist auch auf das zunehmend hohe Alter und Ableben verschiede-ner treuer Spender/-innen zurückzuführen. Die Mitglieder- und Gönnerbeiträge sind Fr. 300 tiefer ausgefallen als im 2023. Durch die massive Verteuerung von Baumaterialien, Diesel und Medikamenten seit dem Putsch, sind die Kosten für die Projekte auch im 2024 nochmals deutlich gestiegen. Wir mussten insgesamt Rückstellungen von Fr. 11‘000 auflösen, um eine ausgeglichene Jahresrechnung präsentieren zu können.
Erfolgsrechnung 2024 im Vergleich:
| 2024 | 2023 | 2022 | ||
| Total Ertrag | Fr. | 47’078.95 | 53’605.47 | 64’852.61 |
| Total Aufwand | Fr. | -57‘378.85 | -63‘906.56 | -50‘790.30 |
| Bildung / Auflösung von Rückstellungen | Fr. | 11‘000.00 | 12‘000.00 | -12‘000.00 |
| Gewinn per 31.12. | Fr. | 700.10 | 1‘698.91 | 2‘062.31 |
Mitglieder
Der Mitgliederbestand betrug Ende 2024 insgesamt 71 Mitglieder und Gönner (- 4).
Grundschule TOUMBALAGA (CHF 4’232)

Auch 2024 unterstützten wir die Grundschule von TOUMBALAGA mit Nahrungsmitteln für 2 warme Mahlzeiten pro Tag. Ebenfalls übernahmen wir die Kosten für das Schulmaterial der rund 45 Kinder. Das Lehrerehepaar erhält grosse Unterstützung durch den Dorfchef, dem seine Schule sehr wichtig ist.
Wir haben unsere Unterstützung im bisherigen Rahmen auch für das Schuljahr 2024/2025 zugesagt. Wir wollen aber weiterhin nicht mehr Verantwortung für die Schule übernehmen.
Brunnensanierungen (CHF 16’232)


Brunnen: TARISSAT
Bauzeit: Feb – März 2024
Kosten: 5‘055 CHF
(3’370’0000 F CFA)


Brunnen: TOUGBALANA
Bauzeit: Juni – Juli 2024
Kosten: 5‘072 CHF
(3‘170’000 F CFA)


Brunnen: SAMBO
Bauzeit: Sept – Okt 2024
Kosten: 5‘355 CHF
(3‘570’000 F CFA)
Mobiles Ambulatorium (CHF 19’404)

2024 waren wir im März/April, im Juli/August und im November/Dezember unterwegs „en brousse“ und haben die Nomaden medizinisch versorgt. Neben Verbrennungen und Ausschlägen bei Kindern, Hautausschlägen und Blutarmut bei Schwangeren sind saisonbedingt auch Atemwegserkrankungen und Malaria sehr häufig. Zu schaffen machte unserer Crew im Herbst 2024 auch eine Diphtherie-Epidemie, welche viele Menschenleben kostete.
Wir sind nach wie vor das einzige, so geartete Gesundheitsprojekt in der Region und es kommen vermehrt auch Nomaden aus weiter weg gelegenen Campements an unsere Standorte. Die Dauer unserer Einsätze beträgt jeweils 4 bis 5 Wochen, in welchen wir verschiedene Standorte aufsuchen. Neben den gestiegenen Diesel- und Medikamentenpreisen ist dies der Hauptgrund für die weiter angestiegenen Kosten.
Darmfistel-Operationen (CHF 9’548)

Dank dem seit 2017 eingerichteten Spendenkonto für Fistel-Operationen konnten wir im Jahr 2024 insgesamt 12 Frauen in Agadez operieren lassen. Die Qualen dieser im Innern verletzten, jungen Frauen, ohne jegliche gesundheitliche Versorgung „en brousse“, sind für uns unvorstellbar.
Durch die von uns ermöglichte Operation schenken wir den Frauen ein neues, würdevolles Leben – ihre Dankbarkeit ist enorm gross. Die Zusammenarbeit zwischen Kamma und dem nigrischen Gynäkologen hat sich gut bewährt.
Frauenprojekte (CHF 0)

Frauenprojekte ADERBISSINAT und TCHIN AGAROUF PEUL
Die 10 Tuareg-Frauen in Aderbissinat produzierten das ganze Jahr über Matten für den Verkauf auf dem lokalen Markt.
Die zwei Peul-Frauengruppen in Tchin-Agarouf Peul produzieren ebenfalls Bastmatten und Haushaltsgegenstände und betreiben eine kleine Boutique mit Lebensmitteln des täglichen Bedarfs für die umliegenden Nomaden.
Der Verkauf lief bei allen drei Kooperativen auch im Jahr 2024 weiterhin harzig, weil die Menschen seit dem Putsch noch ärmer geworden sind und ihr Geld hauptsächlich für Nahrungsmittel ausgeben müssen. Weiterhin ist Niger von einer akuten Hungersnot bedroht.
Wir haben den Frauenkooperativen sowie Mitarbeitenden von TADERASS zum Ramadanfest im April 2024 Reissäcke verteilt, um ihnen zu zeigen, dass wir ihren Einsatz wertschätzen und Verständnis für ihre schwierige Situation haben.
Dank
All unseren Spender/-innen und Gönner/-innen danken wir an dieser Stelle ganz herzlich. Ohne sie wäre unser Engagement zugunsten der Menschen in Niger nicht möglich!
Jona, 22. März 2025 / Patricia Wenk, Präsidentin